MANGEL AN PFLEGEKRÄFTEN?

Meines Wissens gibt es in Oberösterreich viele AbsolventInnen der Ausbildung Diplomierte BehindertenpädagogInnen bzw. Diplomierte FachsozialbetreuerInnen Behindertenbegleitung, die jetzt im neuen Berufsbild als Diplom-SozialbetreuerInnen Behindertenbegleitung bezeichnet werden. Und nicht wenige sind dabei im Pflegebereich tätig oder zumindest teilweise mit pflegerischen Tätigkeiten befasst.

Vor Jahren gab es für die Diplomierten BehindertenpädagogInnen eine Aufschulung durch das sogenannte „UBV-Modul“ (Unterstützung bei der Basisversorgung). Mit Absolvierung dieser Zusatzausbildung wurden diverse pflegerische Aufgaben – die sie im Rahmen ihres Dienstverhältnisses zu verrichten hatten – offiziell legitimiert und die damit gegebene neue Berufsbezeichnung war Diplomierte BehindertenbegleiterIn.

Allerdings dürfen sie nach wie vor vieles an Pflegeverrichtungen, die so manche – seinerzeit zu Beginn ihres Arbeitseinstieges selbstverständlich zu erledigen hatten – schon seit Jahren nicht mehr machen. Da ihnen die offizielle Ausbildung zur PflegeassistentIn oder bis vor kurzem zur PflegehelferIn fehlt.

So kommt es im Berufsalltag immer wieder zu Situationen, wo sie jüngeren KollegInnen mit pflegerischer Grundausbildung mit Rat und Tat auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen zur Seite stehen und diese möglicherweise sogar einzuschulen haben. Sie selbst sind aber auf Grund der gesetzlichen Gegebenheiten nicht befugt, pflegerisch in dieser Form offiziell tätig zu werden.

Meine Überlegung dazu: Eine allfällige Ausbildung zur Pflegeassistenz, die berufsbegleitend absolviert werden kann, bedeutet momentan einen zeitlichen Aufwand von zwei Jahren. Angerechnet wird dabei diesem Personenkreis von ihrer bisherigen Praxis, ihrem Wissen und Können kaum etwas.

In dieser Situation befinden sich diverse ehemalige Absolventinnen der früheren Ausbildungen – sie wurden wieder umbenannt und sind nun „Diplomierte SozialbetreuerInnen“. Jetzt kann ich mich erinnern, dass es vor Jahren, als die Aufschulung von den Stationsgehilfen zu PflegehelferInnen Thema war, jahrzehntelang praktizierende MitarbeiterInnen lediglich eine Schulungsmaßnahme ohne Abschlussprüfung zu absolvieren hatten, um dann die Berufsbezeichnung „PflegehelferIn“ führen zu können. Nur wer wenig an bereits erbrachter Dienstzeit vorzuweisen hatte, wurde nach der Schulungsmaßnahme mit einer Prüfung bedacht.

Wäre es im Hinblick auf die seinerzeitige Regelung nicht möglich und sinnvoll, jahrzehntelang versierte Arbeitskräfte eine wirklich verkürzte Ausbildung zur Pflegeassistenz anzubieten? In Gesprächen mit Diplomierten SozialbetreuerInnen über die aktuelle Ausbildungssituation wird zum Teil argumentiert „in der jetzigen zweijährigen Ausbildung ist inhaltlich vieles verpackt, was mir durch die jahrelange Praxis und Berufserfahrung ohnehin schon vermittelt wurde. Das ist so, als würde ich wieder lesen lernen müssen, obwohl ich das schon seit der Volksschule kann. Für mich persönlich macht das keinen Sinn etwas zu lernen, was seit Jahren mein Berufsalltag ist“. 

In Zeiten, wo ohnehin fachliches Pflegepersonal dringend (da ist immer von „händeringend“ die Rede) gebraucht und benötigt wird, würde es doch Sinn machen, langjährigen kundigen und motivierten MitarbeiterInnen den Zugang zu einem qualifizierten Abschluss der Ausbildung Pflegeassistenz wesentlich zu erleichtern. Ich habe seinerzeit Gesundheitsminister Rudi Anschober diese Überlegung mitgeteilt und er hat sich daran durchaus interessiert gezeigt, doch war dann auf Grund der Covid-Situation für dieses Thema bei ihm kein Platz. Auch der früheren Landesrätin Birgit Gerstorfer habe ich diesbezüglich geschrieben – ohne konkret eine Antwort zu erhalten.

Im Frühjahr 2022 habe ich dann diesbezüglich den Kontakt mit Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer gesucht. Eine Zusage für einen Radiobeitrag mit mir, in welchem ich auch dieses Thema einbringen wollte, zog er auf Grund der Ukraine-Krise zurück und verschob den Termin mit mir auf später. Auf neuerliche Kontaktaufnahmen und Nachfragen meinerseits wurde dann nicht mehr reagiert. Ich habe ihm dann noch das Fachbuch „Personalbedarf und Personaleinsatz in Gesundheits- und Pflegeunternehmen“ von Prof. Dipl.-Ing. Dr. Christoph Zulehner persönlich bei ihm im Büro abgegeben – aber auch hier blieb eine Rückmeldung aus!

Christian Aichmayr

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